Rattenschwanz

Vielleicht kennen Sie das: Man bewirbt sich auf einen neuen Beruf, nachdem man eine Stellenausschreibung für interessant befunden und sich über ein jeweiliges Berufsbild informiert hat, bekommt einen positiven Bescheid und stellt dann mehr oder minder bald fest, dass da noch „Dinge“ sind, die weder bei der Stellenausschreibung, noch bei der Beschreibung des Berufsbildes an sich oder von irgendjemandem, der oder die den jeweiligen Beruf ausübt, in welcher Form auch immer erwähnt wurden. Man ist auf eine gewisse Form der (An-)Werbung angesprungen, hat sich davon beeindrucken lassen und stellt fest, dass die Realität dann doch zumindest ein klein wenig „anders“ aussieht. Wirklich, für meine Begriffswelt ist „Werbung“ die subtilste aller erdenklichen Formen von Manipulation des menschlichen Geistes, ein Meisterwerk der Hintertriebenheit schlechthin! Aber es geht nicht um jene Subtilität oder Hintertriebenheit, sondern um ein paar Dinge, die nicht zur Sprache gebracht werden (zumindest nicht offensichtlich und auch nicht offiziell), wenn es um dieses ominöse Ding mit Namen „Einbürgerung“ geht, Dinge, die mit all dem in Zusammenhang stehen, aber nicht unbedingt naheliegend oder gar selbsterklärend erscheinen, dafür aber weitere administrative Schritte zur Folge haben – einen „Rattenschwanz nach sich ziehen“, wie man das in meiner Heimat zu nennen pflegt. In meinem Falle bin ich eher zufällig über so einen Rattenschwanz gestolpert, als ich mich dazu entschloss, mir dann doch mal nach über zehn Jahren ein neues Portemonnaie zuzulegen. Das neue lag auf dem Tisch (zum Schutze meiner inzwischen zahlreichen „Identitäten“ sogar ein RFID-sicheres Exemplar), das alte bereit zur Plünderung daneben. Ich nutze die Gelegenheit und entfernte bei dem Transfer von Alt zu Neu noch ein paar Karten und Dinge, die ihre Bedeutung oder persönliche Wertigkeit für mich verloren hatten und bestückte das neue mit den Utensilien, die man dabei haben sollte (und ich selbst aus eigener Erfahrung immer dabei haben will). Bei diesem Transfer fiel mir auch ein Führerschein in die Hände, den ich beruflich bedingt zwingend benötige und welcher im Gegensatz zu einem regulären Motorfahrzeug-Führerschein für PW, Motorrad oder Roller nur zeitlich begrenzt gültig ist: Mein Tram-Führerschein. Auf jenem Führerschein waren die üblichen Notwendigkeiten vermerkt, so auch meine Nationalität, unter welcher ich jenen Führerschein erworben hatte – gemäss Schweizer Anforderungen zum Erwerb jenes „Triebwagenführerscheins“, wie das Ding offiziell genannt wird. Auf jener Plastikkarte stand „Deutschland“. Ich habe nicht die geringste Ahnung, ob und welchen Unterschied es macht, ob dort nun „Deutschland“ oder „Schweiz“ vermerkt ist (aus rein beruflicher Sicht), aber dass es einen Unterschied macht, sollte ich kurz nach Transfer der Inhalte meiner portablen Identitätstaschen erfahren…

Mehr aus Neugier gepaart mit schierem Unwissen stöberte ich im Netz der Netze herum um zu ermitteln, ob dieser nur zeitlich begrenzt gültige Führerschein an meine neuen „staatsbürgerschaftlichen Gegebenheiten“ angepasst werden müsste, wurde aber nicht fündig. Wer „den Liedtke“ wenigstens ein klein wenig kennt, wird wissen, dass dieser manchmal nicht lange fackelt: „Über Jahre hinweg habe ich in diesem Staate Steuern gezahlt, ohne direkten Einfluss darauf zu haben, wie diese verwendet werden, nun aber habe ich das Recht dazu, an entsprechenden Stellen nachzufragen, denn ich habe all diese Jahre auch diese Stellen und Ämter mitfinanziert!“. Lange Rede, kurzer Sinn: Eine für meine Verhältnisse eher kurz gehaltene E-Mail wanderte zu dem für solche Fälle zuständigen Amt, dem BAV (Bundesamt für Verkehr – und noch so einige andere Dinge). Und dieses Amt beantwortete mir meine Anfrage recht zügig, ebenso recht „reduziert“ formuliert, fast schon effektiv-deutsch: Mein Führerschein für Triebfahrzeuge (Trams) müsste aktualisiert werden, der Eintrag „Deutschland“ auf jenem Ding durch „Schweiz“ ersetzt werden. Dieser Prozess gestaltete sich länger, als ich das von vergleichbaren kannte, da einerseits der Bund mit Namen „Schweiz“ und andererseits mein Arbeitgeber für diesen besonderen Führerschein zuständig sind – im Gegensatz zum Führerschein für PW und / oder Motorrad, für den ist „nur“ das Strassenverkehrsamt eines jeweiligen Kantons zuständig. Und auch diesen musste ich an die neuen Gegebenheiten anpassen lassen, was vergleichsweise zügig über die Bühne ging. Obwohl beide Institutionen sowohl mit „Fahrzeugen“, als auch „Verkehr“ zu tun haben, stellten sie unterschiedliche Anforderungen für diese notwendigen Modifikationen. Das BAV verlangte einen rechtsverbindlichen Nachweis über die Rechtmässigkeit meiner Staatsbürgerschaft. Dafür kommen allein der „Bürgerrechtsnachweis“ und / oder der „Personenstandsnachweis“ in Frage, die ich bereits zuvor hier näher beschrieben hatte. Das kantonale Strassenverkehrsamt begnügte sich mit der Kopie meiner Schweizer Identifikationskarte und / oder mit einer meines Schweizer Reisepasses. Allerdings legt das Strassenverkehrsamt im Falle der Identifikationskarte grossen Wert darauf, dass beide Seiten der Plastikkarte kopiert werden. Warum auch immer. Auch wunderte es mich nicht sonderlich, dass dieses Amt im Gegensatz zum BAV eine Pass-taugliche Fotografie von mir selbst benötigte. Es scheint dem Kanton Zürich irgendwie zu gefallen, dass ich nunmehr auf zahlreichen „Identitätsnachweisen“ meinen fragwürdigen Gesichtsausdruck hinterlassen habe. Ohne glückseliges Schweizer Lächeln

Der Erwerb der Schweizer Staatsbürgerschaft zieht also einige kostenpflichtige Administrativarbeiten nach sich, die den Gesamtbetrag der Kosten eines Einbürgerungsprozesses anwachsen lassen können, auch wenn sie nicht in direktem Zusammenhang mit einer Einbürgerung stehen. Allerdings muss ich dazu anmerken, dass ich im Rahmen des Prozesses an sich an keiner Stelle darauf hin gewiesen wurde, dass Modifikationen wie diese zwingend zu erledigen sind. Ich bin in ein paar Stillen Minuten nochmals sämtliche Dokumente durch gegangen, die ich zu alledem erhalten habe, um diesen Umstand zu untermauern. Mit anderen Worten: Wäre ich nicht neugierig gewesen, so hätte ich wohl erst von dieser zwingenden Notwendigkeit erfahren, wenn ich aus was für einem Grunde auch immer diese Führerscheine hätte vorweisen müssen. Und das hätte weitere „Kosten“ nach sich ziehen können. Somit plünderte ich später alle meine wichtigen Dokumente und Ausweise um sicher zu stellen, dass diese nicht auch irgendwie umgeschrieben werden müssten, wurde aber nicht fündig. Immerhin hatte sich der Erwerb des „Personenstandnachweises“ und des „Bürgerrechtsnachweises“, die ich einst aus blankem Jux und Dollerei erworben hatte, bereits ausgezahlt. Ich empfehle Ihnen daher, sich vorab zu informieren, welche Dokumente, die sie aus Ihrem Heimatland mit in die Schweiz genommen haben, darauf hin zu überprüfen, ob diese dezidiert angepasst werden müssen, wenn Sie beabsichtigen, sich einbürgern zu lassen.