Schweizer Milliardäre & Russische Oligarchen

Ich liebe gute Karikaturen, die von Hand mit spitzer Feder gezeichneten Darstellungen zu aktuellem Zeitgeschehen. ich wünschte, ich könnte so zeichnen und vor allem gewisse Sachverhalte in einem einzigen Bild so zusammen fassen, wie es nun einmal nur gute Karikaturisten können. Manchmal sagt ein einziges Bild so unendlich viel mehr, als tausend Worte! Als ich vor wenigen Tagen eine Tageszeitung aus meiner Geburtsstadt Berlin studierte (den guten alten Tagesspiegel), stolperte ich über genau so eine hervorragende Karikatur, die sich sehr treffsicher mit dem aktuellen Tagesgeschehen in Österreich, wo derzeit eine ganze Staatsregierung aufgrund höchst fragwürdiger Hinterzimmergeschäfte kurz vor dem Abgrund steht, Parteispenden und deren Quellen, sowie jenem dunklen Geist mit Namen „Rechtspopulismus“, der in Europa derzeit wieder sein Unwesen treibt, befasst – und die ein für meine Begriffswelt typisches Verhältnis von alledem zu den Staaten Schweiz, Deutschland und Österreich beschreibt. Klaus Stuttmann vereint drei Themen meisterhaft in einem einzigen, sehr treffenden Bild, welches folgende Grundaussagen vermittelt: Die rechtspopulistische „AfD“ (Alternative für Deutschland) bedient sich – im Gegensatz zur „FPÖ“ (ebenso eine zutiefst rechtspopulistische Partei, nur in Österreich) – bei der Finanzierung ihrer Wahlpropaganda (und nichts anderes ist das, was die AfD fabriziert!), lieber diskret agierenden, sehr vermögenden Schweizern, als fragwürdigen Oligarchen aus Russland. Gewisse Vertreter der AfD gehen dabei sogar so weit, dass sie als Ausländer in der Schweiz lebend keinerlei Skrupel vor fragwürdigen Finanzierungswegen haben, sie, die selbst keine Gelegenheit auslassen, Ausländer generell und vor allem kriminelle Ausländer am liebsten sofort des jeweiligen Landes verweisen zu wollen (Deutschland, im genannten Falle). Dass eine Politikerin der AfD mit Namen Weidel sich unter Umständen selbst strafbar gemacht hat, als sie noch mit ihrer Lebenspartnerin selbst als Ausländerin in der Schweiz lebend solcher fragwürdigen Quellen bediente, darüber schweigt die AfD sich systematisch aus. Auf einem ähnlich fragwürdigen Niveau bewegt sich das, was sich derzeit in Österreich abspielt. Der Vizekanzler der Regierungskoalition hatte vor zwei Jahren in geradezu konspirativ anmutender Umgebung umfangreiches „Entgegenkommen“ wirtschaftlicher Natur versprochen, wenn ein gewisser russischer Oligarch „Spenden“ in grossem Umfang fliessen lassen würde – an die rechtspopulistische FPÖ. Es existiert ein heimlich aufgenommenes Video von jener Zusammenkunft, welches ich mir natürlich genau anschaute. Ich sah das, was man landläufig als „Bestätigung eines Vorurteils“ bezeichnen könnte. Ein Politiker, der sich vor laufender Kamera (öffentlich, nicht heimlich), sprachlich korrekt und durchaus gehoben ausdrückt, redet und verhält sich in vermeintlich vertrauenswürdigem Kreis wie ein Stammtisch-Redner der untersten Kategorie! Ein Zeitungsartikel einer anderen Publikation beschrieb jenes Auftreten dieses österreichischen „Staatsmannes“ mit den Worten „So zeigt der Rechtspopulismus in Europa seine wahre Fratze“.

Nun ist das Thema „fragwürdige Finanzierung von Parteien, Lobbyistentum und Filz in der Politik“ nicht neu – und sicherlich nicht nur auf Deutschland, die Schweiz und Österreich zu beschränken, vergleichbares tritt in jedem Konstrukt auf auf, in dem viele Menschen mit sehr vielen Interessen miteinander, untereinander und gegeneinander agieren, das gilt also auch für Wirtschaft und Gesellschaft. „Neu“ hingegen erscheint mir, dass insbesondere Vertreter und Anhänger des Rechtspopulismus sich inzwischen nicht einmal mehr scheuen, fragwürdige Methoden anzuwenden, da sie selbst sich als „bessere“ Staatsbürger betrachten und somit selbst solche fragwürdigen Methoden rechtfertigen lassen, weil diese einem vermeintlich besseren Zweck und einer besseren politischen Zukunft dienen, als „man“ das als Staatsbürger welchen Landes auch immer bisher von der eigenen Regierung erleben durfte. Da spielt es keine Rolle mehr, ob solche Menschen als Ausländer in einem anderen Staat leben oder in fernen Ländern strafbare Vorgänge in die Wege leiten, denn selbst in jenen Ländern trifft man auf Gleichgesinnte, man ist ja irgendwie überall in Europa „unter sich, unter Freunden“, unter Menschen, die unter einem „besseren“ Europa definitiv etwas grundlegend anderes verstehen, als zum Beispiel ich selbst. Unnötig zu erwähnen, dass bei der Erschaffung jenes „besseren“ Europas (oder doch vielleicht eher Einzelstaates?) das Ding mit Namen „Transparenz“ alles andere als förderlich angesehen wird, insbesondere wenn es um (Schweizer) Geld geht, ist maximale Diskretion geboten! Auch das gilt nicht für die Politik allein, je grösser ein (staats-)wirtschaftliches oder gesellschaftliches Konstrukt, umso diskreter wird mit nicht ganz so transparenten Verhältnissen umgegangen. Auch das ist nicht neu, nicht allein ein Problem der Schweiz, das dürfte auf der ganzen Welt so sein.

So oder so freute ich mich, dass ein Karikaturist der Tageszeitung, die ich in meiner Vergangenheit in Berlin regelmässig gelesen hatte, nicht nur dem EU-Europa seine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, sondern auch der kleinen, in gewissen Dingen zutiefst diskreten Schweiz. Und eines hat „die Schweiz“ gar nicht gern: Wenn sie wegen fragwürdiger Vorgänge ins internationale Rampenlicht gerät. Trotz aller Diskretion.