Ablauf, Dauer & Kosten

Ein sehr (!) langer Beitrag… Sich in der Schweiz ordentlich einbürgern zu lassen, ist keine banale Angelegenheit und nicht ohne Grund kann man an zahlreichen Orten Hinweise darauf finden, dass die Hürden auf dem Weg zum Bürgerrecht der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern sehr hoch sind. Rein subjektiv kann ich das nur bedingt bestätigen, ich habe keine Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Ländern dieser Welt und anderen Gemeinden und Kantonen dieses Staates, in Bezug auf die Gemeinde „Stadt Zürich“, welche mich als Bürger aufgenommen hat, kann ich fest halten, dass der gesamte Ablauf mit einer Ausnahme fast rein administrativer Natur ist und der Hauptaufwand für einen Bewerber in der Beschaffung notwendiger Unterlagen besteht. Leider kann ich mein Verfahren nicht als stellvertretend für andere darstellen, die in der Schweiz statt finden, denn einerseits wurde zum Jahreswechsel von 2017 auf 2018 eine ganze Reihe von Gesetzen, die auch Einbürgerungen umfassen, geändert (und ich hatte mich vor jenem Jahreswechsel in Bewegung gesetzt), und andererseits kann es je nach Kanton und Gemeinde zum Teil erhebliche Unterschiede im Ablauf eines Verfahrens, den Kosten und der Dauer geben. Dennoch gibt es einen groben Mantel, der in etwa Modell für alle Einbürgerungsverfahren ist. Eine ganz grundlegende Voraussetzung – und gleichzeitig meine persönliche Empfehlung – ist, dass man eine der insgesamt vier Amtssprachen der Schweiz so beherrscht, dass man entsprechend Formulare zu dem Gesamtprozess fliessend versteht, sowohl in Schrift, als auch in Sprache! Man muss und sollte sich in diesem Lande verständlich ausdrücken können, wenn man den Weg der ordentlichen Einbürgerung wählt. Das bedeutet nicht, dass man fliessend Schwiizerdüütsch (Schweizerdeutsch) sprechen MUSS (zumindest nicht in der Stadt Zürich), das bedeutet, dass man den Inhalt von Formularen nach Lektüre in Aussage und Bedeutung verstanden hat und entsprechend agiert – und dafür ist Kenntnis nach einem bestimmten Standard in mindestens einer der vier Amtssprachen zwingend nötig. Welches Sprachvermögen bei einem Bewerber vorhanden ist, wird gegebenenfalls durch einen Test ermittelt. In der Stadt Zürich ist vor allem Deutsch die Amtssprache schlechthin, aus welchem Grunde auch immer musste ich diesen Test nicht absolvieren, wurde gar nicht erst zu einem solchen geladen, das bedeutet aber nicht zwingend, dass die Kenntnisse eines Bewerbers nicht ermittelt werden, nur weil sie oder er über Deutschland in die Schweiz gekommen ist! Der Begriff Muttersprache zählt hier noch etwas.

Nahe liegender Weise will der Staat Schweiz, der Kanton und die Gemeinde, in welcher man sich einbürgern lassen möchte, recht genau Bescheid über den Menschen wissen, welcher sich bewirbt. Aus diesem Grunde setzt sich ein Teil der Anforderungen aus dem Zeitraum zusammen, welche diese Person auf dem Boden des Staates Schweiz bisher verbracht hat, als auch aus dem Vorleben jenes Bewerbers ausserhalb der Landesgrenzen: Ob das nun grundlegend gemacht wird oder nur bei Verdacht oder Bedarf: Gewisse Erkundigungen können und werden auch im Ausland eingeholt. Erste Anlaufstelle für eine ordentliche Einbürgerung ist die Gemeinde, in welcher man aktuell lebt. Dort wird zunächst ganz grundlegend ermittelt, ob man sich überhaupt einbürgern lassen kann. Bestimmte Punkte unterscheiden sich von Kanton zu Kanton und von Gemeinde zu Gemeinde, in der Stadt Zürich sind seit dem 1.1.2018 folgende Vorgaben zwingend zu erfüllen, bevor überhaupt ein Einbürgerungsantrag gestellt werden kann:

1.) Man muss eine so genannte „Niederlassungsbewilligung C“ besitzen. Um wiederum jene überhaupt zu erhalten, muss man sich bereits zehn Jahre mit einer Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz aufhalten, darüber hinaus muss die jeweilige Aufenthaltsbewilligung in den letzten fünf jener zehn Jahre ununterbrochen im Besitz eines Bewerbers befindlich gewesen sein, sie darf also aus was für Gründen auch immer innerhalb jener fünf Jahre nicht entzogen oder nicht nicht verlängert worden sein. Die Art der Aufenthaltsbewilligung, vor der es insgesamt acht verschiedene gibt, entscheidet massgeblich darüber, ob und wann eine Niederlassungsbewilligung erteilt wird. Ich möchte hier jetzt nicht etwas nicht zutreffendes behaupten, aber ich meine mich entsinnen zu können, dass ich jene Niederlassungsbewilligung C automatisch bekommen hatte, nachdem ich zehn Jahre mit der Aufenthaltsbewilligung B bereits hier gelebt habe, aber das wurde mit den neuen Gesetzen geändert! Bitte fragen Sie mich nicht, wie genau, ich bin kein Jurist!

2.) Man darf innerhalb jener zehn Jahre nicht straffällig geworden sein. Ich kann hierzu nicht allzu viel schreiben, ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen (noch nicht einmal eine Park-Busse oder eine Geschwindigkeitsüberschreitung!). Ich vermute (und ich betone das, dass es sich um eine Vermutung handelt!), dass im Bedarfsfall abgewogen wird, ob eine Strafe begutachtet wird und wenn ja, wie sie sich auf ein Einbürgerungsverfahren auswirkt, aber ich bin mir recht sicher, dass Strafen, die Gefängnisaufenthalt umfassen, sicherlich anders gehandhabt werden, als „Ordnungswidrigkeiten“. Entsprechend werden Verurteilungen für Straftaten, die innerhalb der letzten zwanzig (!) Jahre begangen wurden, gehandhabt – das gilt auch für Straftaten, die ausserhalb der Schweiz begangen wurden und dort ebenso strafbar sind. Etwas plump formuliert muss man also eine mindestens zwanzig Jahre alte blütenreine Weste vorweisen können, egal, wo man zuvor gelebt hat.

3.) Man darf innerhalb der letzten drei der zehn Jahre keinerlei Sozialhilfeleistungen aus Kassen, die irgendwie „Schweiz“ implementieren, bezogen haben.

4.) Auszüge aus dem entsprechenden Register dürfen keine so genannten „Betreibungen“ aufweisen. Hat man über die eigenen Verhältnisse gelebt, werden entsprechend zuständige Institutionen irgendwann früher oder später ihr Geld zurück fordern, den Schuldner „betreiben“. So, wie ich diesen Punkt bisher verstanden habe, betrifft das den Zeitraum von fünf der zehn Jahre Aufenthalt in der Schweiz. Jetzt kann ich es Ihnen verraten: Ich wurde ganz am Anfang betrieben, aber nicht, weil ich nicht meine Krankenkassenbeiträge nicht gezahlt habe! Die Krankenkasse, die seinerzeit ausschliesslich „online“ funktionierte, hatte den Fehler begangen, mich zwei Mal als Versicherten aufzunehmen. Der eine Jens zahlte, der andere nicht, deswegen wurde der andere Jens Liedtke betrieben. Mit einigem Aufwand gelang es mir, der Krankenkasse den Fehler nachzuweisen und den Eintrag in jenem Register löschen zu lassen. Hätte ich das nicht gemacht, so wäre ich jetzt kein (Papier-) Schweizer. Es liegt also im eigenen Interesse, gewisse Vorgänge gründlichst zu durchforsten und beharrlich zu bleiben – und vor allem nicht blind dem zu vertrauen, was über einen Bildschirm flackert! Trotzdem habe ich meine Krankenkasse bisher nicht gewechselt.

5.) Die anfallenden Staats- und Gemeindesteuern müssen innerhalb der letzten fünf der zehn Jahre vollumfänglich gezahlt worden sein. Liest sich jetzt nicht sonderlich spektakulär, aber wenn man bedenkt, dass der Steuerbetrag für ein Jahr meistens, wenn nicht immer über einem kompletten Monatslohn liegt, dann birgt das eine gewisse – ja, wie soll ich das bloss nennen – Schwere, je nach ausgeübtem Beruf. Etwas zynisch formuliert verdient man in einem Jahr von zwölf Monaten per Gesetz dreizehn Löhne, aber man erhält oft „nur“ den Lohn von 11 1/2 Monaten für ein Jahr von zwölf Monaten…

6.) Zu dem Zeitpunkt, an dem man den Antrag auf Einbürgerung stellt, darf man nicht arbeitslos sein. Ich bin mir relativ sicher (will mich aber für jene Annahme auch nicht verklagen lassen), dass damit „nicht ohne vertraglich gesichertes Beschäftigungsverhältnis“ gemeint ist. Freiberufliche Tätigkeiten gehören aller Wahrscheinlichkeit nach NICHT zu dem Oberbegriff „erwerbstätig“!

7.) Sprachkenntnisse auf Niveau A2. Das ist nicht ohne! Aber sehen Sie selbst.

8.) Man muss bereits eine vorgegebene Zeit in der Gemeinde, in welcher man den Antrag stellt, „geordnet“ gelebt haben. Die Dauer eines solchen Aufenthaltes variiert von Gemeinde zu Gemeinde und ist NICHT vom Bund oder Kanton vorgeschrieben und festgesetzt!

Wenn diese Vorraussetzungen gegeben sind, kann man in der Stadt Zürich den Antrag auf Erwerb der Schweizer Staatsbürgerschaft stellen. In vielen Gemeinden kann man sich „online“ entsprechende Formulare herunter laden, diese anschliessend ausfüllen und dann zurück senden. Bereits von Anfang an legt die Schweiz exorbitanten Wert auf bestimmte Dinge, die zur Kenntnis genommen und entsprechend mit der Unterschrift eines Bewerbers abgezeichnet werden müssen. Die Eckpfeiler der Verfassung (die nebenbei angemerkt der der Bundesrepublik Deutschland in einigen Punkten sehr ähnlich ist) müssen akzeptiert werden. Aber die Schweiz wäre nicht die Schweiz, wenn in dem entsprechenden Formular bei der Frage, ob man alles verstanden habe, nicht nur ein „ja“ und „nein“, sondern auch ein „ich habe nicht alles verstanden“ stehen würde. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was passiert, wenn man jenes Kästchen ankreuzen würde, aber ich kann es mir in etwa denken (und ich war aus reiner Neugier kurz davor, dort mein Häckchen zu setzen…). Ganz in Abhängigkeit von Kanton und Gemeinde… Aber da gibt es noch einen Aspekt, der zumindest mir immer mal wieder zu denken gegeben hat: Wer hier leben will, muss Militärdienst leisten, wer das aus was für Gründen auch immer nicht kann oder will, muss ersatzweise zahlen. Ich habe nie eine Waffe angefasst und nichts und niemand wird mich je dazu bringen, nur weil auf mich geschossen werden könnte! Abgesehen davon bin ich zu alt, bis ich meine Lesebrille aufgesetzt habe, ist die Deutsche Bundeswehr wahrscheinlich schon in Winterthur einmarschiert. Also werde ich wahrscheinlich irgendetwas zahlen müssen, aber jetzt ist mir dazu noch nichts bekannt, schaun wa mal, wat da noch kommt! Ansonsten ist das erste Formular, welches man erhält – mit Ausnahme von einem Punkt – selbsterklärend. Man muss einige Angaben zu beruflichen und familiären Verhältnissen, Kontakt zur Schweizer Bevölkerung (welcher denn bitte? Den Eidgenossen oder den eingebürgerten Schweizern oder den hier lebenden allumfassend und generell?) machen und das alles als der Wahrheit entsprechend unterzeichnen. Und nun kommt der eine Punkt: Wenn welche Institution auch immer nachweisen kann, dass in dieser ersten „Erklärung“ eines Bewerbers gegenüber dem Schweizer Staat etwas nicht der Wahrheit entspricht, dem oder der kann in einem Zeitraum von acht Jahren nach Erteilung der Staatsbürgerschaft eben jene auch wieder entzogen werden! Formal gesehen also ist ein Einbürgerungsprozess erst nach achtzehn Jahren vollumfänglich abgeschlossen und nicht bereits nach zehn! Wirklich, wäre ich nicht in Deutschland aufgewachsen, so hätte ich keinen besonderen Sinn für solche Zeilen, die vorzugsweise am Ende eines sehr langen Dokumentes noch so auftauchen können! ALLES lesen ist zuweilen sehr wichtig…

Es folgt die Auflistung der Dokumente, die der Schweizer Staat haben und sichten will, die Nachweise: Existiert ein Bewerber nachweislich überhaupt, ist man verheiratet, ledig, geschieden, Fotokopie der Aufenthaltsbewilligung (auch – vollkommen frei von jeder möglichen Wertung oder Interpretation – „Ausländerausweis“ genannt), Fotokopie des Reisepasses, Nachweise darüber, dass man auch in einer jeweiligen Gemeinde lebt (Wohnsitzbescheinigung genannt), eidesstattliche Erklärung über die wahrheitsgemässe Erfüllung der Anforderungen zur Einbürgerung, Nachweis über Schuldenfreiheit, Nachweis über die Erfüllung der Steuerpflicht, Nachweise über die Freiheit von Sozialleistungen, Nachweis über die sprachlichen Fähigkeiten und – wenn die jeweilige Gemeinde das verlangt – ein Kenntnistest (ganz ehrlich: Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie so ein Vorab-Gemeinde-Test aussieht, ich musste sowas nicht absolvieren).

Bis zu diesem Punkt ist das ganze Vorhaben „Einbürgerung“ – abgesehen von den Kosten für Telefonate, Internet-Dienstleister, möglichem Schriftverkehr und dergleichen – allemal bezahlbar, noch bewegen wir uns in in einem zweistelligen Bereich und weit unter 50 Franken, sehr weit darunter. Soweit ich mich entsinnen kann, hatte ich diesen ersten Berg irgendwann im August oder September 2017 ausgefüllt und eingereicht – bei der Gemeinde „Stadt Zürich“. Diese sichtete meinen Antrag und befand, dass ich einer möglichen Einbürgerung würdig sei, wenn ich noch andere Dokumente nachliefern würde, so auch zum Beispiel eine beglaubigte Kopie meiner Geburtsurkunde aus Berlin in Deutschland. Zusätzlich zu den Auszügen aus den entsprechenden Registern über Schulden, Sozialhilfe, Straffälligkeit und dergleichen. Ich fand das noch etwas schräg, ich lebte ja nun schon einige Jahre hier und die Stadt Zürich beschäftigte mich per Verfügung bereits einige Jahre, aber die Stadt wollte dennoch wissen, ob ich wirklich existiere und ob das auch von Deutschland bestätigt werden könnte. Berlin bestätigte das im Endeffekt und schon schnellten die Kosten von ungefähr 25 Franken auf 60, Porto und Bearbeitungsgebühren (umgerechnet von Euro auf Franken) inklusive, die Auszüge aus den jeweiligen Registern brachten das auf ungefähr auf 90. Immer noch zweistellig. Es mag jetzt vielleicht etwas „hinterfragenswürdig“ anmuten, was ich hiermit von mir gebe: Es hat seinen guten Grund, warum (nicht nur) die Schweiz auf beglaubigte Nachweise besteht, insbesondere in Bezug auf „Geburtsurkunden“. Nur weil ein Mensch – wo immer sie oder er auch her stammen mag – „sichtbar existiert“, bedeutet das noch lange nicht, dass es sich auch um jenen Menschen handelt, der da vor einem steht. Papier ist geduldig. Und brennbar. Das ist nicht nur dem Schweizer (und vielen anderen) Staate bekannt, sondern auch so manch einem Antragssteller. Das zwanzigste Jahrhundert war in Bezug auf die Brennbarkeit von Papier ein sehr feuriges und nicht gerade selten war es vor allem die Geburtsurkunde, die so manches Mal zum Vorteil eines Antragsstellers „abgeändert“ wurde und der Empfängerstaat das nicht bemerkte. Betrifft nicht nur die Schweiz, sondern derzeit so ziemlich jede Industrienation in Europa.

Zunächst befasste sich die Stadt Zürich – genauer: der Stadtrat – mit meinem Anliegen, begutachtete mich als von ihr per Verfügung beschäftigte Person, unterhielt sich mit mir und verlangte für dieses Paket 1.200 Franken. Wir sind bei 1.290 Franken angelangt (spätestens jetzt sollte offensichtlich sein, warum man für eine Einbürgerung in festen Arbeitsverhältnissen befindlich sein sollte, denn von den bereits erwähnten 11 1/2 Monatslöhnen waren somit nur noch 11 übrig – vor Abzug der Steuern des Bearbeitungsjahres meines Anliegens). Dieser Betrag MUSS innerhalb genannter Frist von dreissig Tagen gezahlt werden, sonst ist der Antrag hinfällig und wird nicht zurück erstattet! Man sollte also schon ein Auge auf die eigenen Finanzen und Ausgaben haben, um einen entsprechend guten Zeitpunkt zu wählen. Und man sollte im eigenen Interesse Belege über jeden einzelnen Geldtransfer zumindest so lange aufbewahren, bis das gesamte Verfahren abgeschlossen ist. Immerhin kann man in diesem Zusammenhang weitestgehend auf digitale Belege zurück greifen und muss nicht wieder brennbares Papier bemühen! Ist der städtische Prozess mit der vorläufigen Aufnahme in das Bürgerrecht beendet und vor allem der bereits erwähnte Betrag gezahlt, befasst sich der übergeordnete Kanton mit der ganzen Angelegenheit. Was auch immer da genau geschieht: Für den entstehenden Arbeitsaufwand verlangt der Kanton 500 Franken, ebenso innerhalb gesetzter Frist zu zahlen. Wir sind bei 1.790 Franken angelangt. Der Kanton leitet das Gesuch an den Bund weiter, der wiederum 100 Franken verlangt – 1.890 Franken, wenn nicht von Kanton oder Bund weitere Dokumente angefordert werden, dann kann diese Gebühr ansteigen. Am Ende des gesamten Prozesses steht noch die Beantragung und Ausstellung der so genannten „ID“ und des Reisepasses an. Je nachdem, ob man beides gleichzeitig zusammen oder aber einzeln beantragt, fallen weitere 148 oder 160 Franken an. Bei mir sind es 148 Franken. Macht summa summarum 2038 Franken. Dieser Betrag ist von einer einzelnen Person in etwa zu bezahlen, die nicht verheiratet ist, keine Kinder hat und den Grossteil der verlangten Dokumente bereits ab Antragsstellung vorweisen kann. Ich könnte jetzt noch Kleinstbeträge in Form von weiteren Portogebühren, Telefonaten etc. ppp. dazu rechnen, aber das würde keinen grossen Unterschied machen. Wohlgemerkt: Die hier gemachten Angaben betreffen mein Ersuchen, welches ich vor dem 1.1.2018 gestellt habe, ob sich seitdem die Gebühren verändert haben, entzieht sich meiner Kenntnis.

In diesem Zusammenhang ein paar gut gemeinte Ratschläge an die, die mit dem Gedanken spielen, den gleichen Weg wie ich zu gehen:

1.) Geforderte Beträge sollten umgehend (!) gezahlt und Belege darüber aufbewahrt werden (Ausdruck, PDF, etc.). Man wird NICHT daran erinnert, dass ggf. noch gewisse Beträge ausstehen – weder von der Gemeinde, noch vom Kanton oder dem Bund! Verpasst man Zahlungsfristen, ist der Antrag auf Einbürgerung automatisch nichtig (zumindest habe ich das so verstanden)! Man sollte sich in diesem Zusammenhang gut auskennen, wie man entsprechende Belege bei Banken oder dergleichen beziehen kann, zumindest grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Computern, Webseiten, etc. sind definitiv von Vorteil! Digitale Kommunikation geht – meiner Erfahrung nach – schneller von Statten, als die mit Papier und das kann in Bezug auf Fristen durchaus eine Rolle spielen!

2.) Bewahren Sie Kopien von Belegen und Kommunikationen (Mail, Brief, etc.) auf, bis das Verfahren vollumfänglich abgeschlossen ist – Sie also den Schweizer Reisepass und die ID in den Händen halten! Die Meldebestätigung, die Sie im Verlaufe des Prozesses zugestellt bekommen, brauchen Sie noch viel länger, die ist wichtig!

3.) Und wenn wir schon bei „Dokumenten“ angelangt sind: Sehen Sie zu, dass Sie von Anfang an wirklich alle erforderlichen Dokumente beieinander haben (von denen bestimmte nebenbei angemerkt nicht älter als drei Monate sein dürfen!). Anders formuliert: Gewöhnen Sie sich an den Gedanken, dass Sie eine Zeit lang sehr viel administrativen Kram am Stück zu erledigen haben, bevor Sie einen Antrag auf Einbürgerung ausfüllen und absenden! Insbesondere in Bezug auf die Kommunikation mit Ämtern anderer Länder als der Schweiz kann das eine grosse Rolle spielen, je nach Land sind drei Monate sehr wenig!

4.) Informieren Sie sich vorab gründlichst (!) darüber, was die Gemeinde (der Ort, an dem Sie in der Schweiz leben) an gesonderten, von Kanton und Bund unabhängigen Anforderungen stellt! Fragen Sie in Ihrem eigenen Interesse per Telefonat, Mail oder persönlichem Erscheinen nach und lassen Sie sich nicht abwimmeln, wenn Sie etwas nicht verstehen aber bleiben Sie – und das ist exorbitant wichtig – höflich und freundlich! Auch wenn es Sie noch so nervt! Die Anforderungen variieren von Kanton zu Kanton und von Gemeinde zu Gemeinde, ebenso variiert die amtliche Reaktion auf fremdländische Mentalität (aber das wissen Sie, die sie oder der sie schon lange hier leben, sicherlich selbst inzwischen gut genug: Auch die Reiter des Amtsschimmels sind im Endeffekt nur Menschen und die haben nun einmal ihre Belastungsgrenzen…).

Ausgehend von der Annahme (ich kann mich bei bestem Willen nicht mehr daran erinnern, wann genau ich mein Gesuch online einreichte), dass ich meinen Antrag irgendwann Mitte September 2017 abschickte und der Gesamtprozess mit Erhalt von ID und Reisepass abgeschlossen sein wird, dauert der Prozess der ordentlichen Einbürgerung einer Einzelperson in der Stadt Zürich knapp 19 Monate. In der Zeit, in der das Verfahren läuft, dürfen sich gewisse Grundvoraussetzungen nicht oder nur bedingt ändern: Erwerbstätigkeit, Straffälligkeit (auch in anderen Ländern!) und dergleichen. Mit dieser Dauer und den genannten Gebühren bewegt sich die Gemeinde „Stadt Zürich“ im unteren Mittelfeld schweizweit gesehen. Immerhin ist ab einem gewissen Zeitpunkt der Prozess ein „Selbstläufer“, man hat keinen Einfluss mehr, muss aber auch nahezu nichts mehr machen, wenn man die Grundvoraussetzungen erfüllt und die geforderten Beträge beglichen hat. Abgesehen von kleineren Sandkörnern im Getriebe meines Prozesses kann ich „attestieren“, dass mein Gesuch sehr zeitnahe und flüssig behandelt wurde, aber ich musste auch ab und an sehr kurzfristig reagieren und umplanen. Wie bereits erwähnt habe ich keinerlei Vergleichsmöglichkeiten mit anderen Gemeinden und Kantonen, aber ich denke, dass der von einem Antragssteller zu leistende Aufwand, die Kosten und die Dauer eines Einbürgerungsprozesses im Vergleich zu dem, was man im Endeffekt erhält (und das ist so manch einem hier geborenen Eidgenossen nicht einmal ansatzweise bewusst!), zumutbar und vor allem sehr moderat sind – wenn man eine blütenreine Weste hat, die Amtssprache fliessend versteht, sich in der digitalen Welt wenigstens grundlegend auskennt und vor allem überpünktlich geforderte Gebühren zahlt. Ich hätte mich vor Jahren bereits „erleichtert“ einbürgern lassen können, aber wie dieser Weg sich gestaltet hätte, ist mir nicht bekannt. Er dürfte aber sicherlich leichter gewesen sein (und gewissen Äusserungen mir bekannter Personen nicht einmal ansatzweise mit dem vergleichbar, was ich hinter mich gebracht habe. Ich werte das nicht, ich musste das alles ja im Grunde genommen auch gar nicht machen. Aber ich wollte und wenn ich einen Beschluss gefasst habe, dann mache ich das auch, was ich beschlossen habe: Sehr deutsch).

Abschliessend noch ein kleiner Denkansatz: Nun transferieren Sie das mal auf einen Menschen, der in einem Land wie der Schweiz einfach nur in Ruhe, Frieden und geordnet leben will, seinen eigenen Freiraum braucht, aber auch nicht in Konflikt mit irgendwelchen Gesetzen geraten und auf Kosten der bereits hier lebenden Bürger existieren möchte, nie einen Computer besessen hat und eine Sprache erst einmal erlernen musste, die gelinde gesagt hochkomplex ist. Mir kam das alles ab einem gewissen Zeitpunkt „unendlich, langwierig, schwierig, komplex und irgendwo auch stur“ vor. Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte ich eine Konversation mit einer mir wichtigen Person aus meinem Vorleben in Berlin. Sie wollte nicht, dass ihre Tochter in diesem Berlin aufwächst, wie es sich derzeit gestaltet. Wohlgemerkt: Berlin, meine Geburtsstadt in Deutschland, einer Industrienation, in der Deutsch gesprochen wird und man als Staatsbürger Deutschlands dort geboren auf gewisse Leistungen pochen kann! Wie muss es bei solchen Ausgangsvoraussetzungen jemandem wohl gehen, der aus einer ganz anderen Region dieser Welt hierher gekommen ist und nicht einmal eine der Amtssprachen fliessend sprechen und schreiben kann, geschweige denn über 2000 Franken verfügt? Im direkten Vergleich hatte und habe ich es unendlich viel leichter. Von den erleichtert eingebürgerten mal ganz zu schweigen, oder?