4.1.2019

Das neue Jahr war nur wenige Tage alt, als erneut ein Schreiben in meinem Briefkasten landete: Das Staatssekretariat für Migration (kurz: SEM) freute sich mir mitzuteilen, dass dieses mir die Bewilligung zur Eidgenössischen Einbürgerung erteilt hatte. Vereinfacht ausgedrückt: Der Verbund aller Kantone mit Sammelbegriff „Schweizerische Eidgenossenschaft“ hatte nichts dagegen und war darüber hinaus sogar erfreut, mich als „neuen“ Bürger aufzunehmen. Gleichzeitig erinnerte mich jenes Amt aber daran, dass ich mit dieser Bewilligung noch kein Bürger der Schweiz wäre, erst, wenn der „Staat im Staate“ mit Namen „Kanton Zürich“ diese Bewilligung von mir zugesendet bekommen hätte, würde dieser die letzten Schritte in die Wege leiten und dann wäre ich irgendwann abschliessend Bürger der Gemeinde „Stadt Zürich“, des Staates „Kanton Zürich“ und der Schweizerischen Eidgenossenschaft. So langsam glaube ich, dass „die Schweizer“ die hohe Kunst des literarischen Dramas weitaus besser verstehen, als so manch ein Deutscher: Dieser Staat machte es für mich erneut spannend und hob das ganze Ding mit Namen „Einbürgerung“ auf eine vollkommen neue dramatische Ebene! Noch nicht ganz, aber so gut wie! Für mich persönlich war das das wichtigste Schreiben, welches ich in diesem ganzen Prozess in den Händen hielt. Ich hatte im Laufe der verstrichenen Jahre Deutschland weitestgehend hinter mir gelassen, identifizierte mich inzwischen weitaus mehr mit jenem Land, in dem ich nach wie vor lebe, als mit dem, aus welchem ich einst gekommen war. Ein Arbeitskollege, mit welchem ich mich zwischen Tür und Angel über all das kurz unterhielt, fasste es auf seine Weise recht treffend zusammen: „Finde ich gut! Du denkst ja auch inzwischen sehr schweizerisch.“. Ich lehne mich sehr weit aus dem Fenster, wenn ich jenem Staatssekretariat für Migration und meinem Arbeitskollegen gewisse Ähnlichkeiten in die Schuhe schiebe, indem ich behaupte, jenes Sekretariat hat wohl ähnlich gedacht, wie mein Kollege. Allerdings habe ich es bisher auch noch nicht geschafft, meinen Kollegen mal näher zu befragen, wie er „schweizerisch denken“ genauer definiert, mein Beruf ist zuweilen sehr kontraproduktiv, wenn es um Belange ausserhalb eben jenes Berufes geht. Und nein, ich werde dem SEM sicherlich keinen Brief senden, in welchem ich um die Beantwortung einer solchen Frage bitte, die dort tätigen haben sicherlich anderes, schwerer wiegendes zu tun!

Mit diesem Schreiben war die Spitze der literarisch-dramatischen Kurve erreicht, jetzt ging das alles wieder zurück an den Kanton, den „Staat im Staate“.