28.11.2018

Nachdem mein Einbürgerungsgespräch in der Gemeinde „Stadt Zürich“ statt gefunden hatte, ging alles seinen Weg, automatisch und nahezu – wenn man von dem Begleichen verschiedener Rechnungen mal absieht – ohne mein Zutun. So landete später ein Schreiben des Kantons in meinem Briefkasten, in welchem mir am 28.11.2018 bescheinigt wurde, dass der Kanton „Zürich“ die Erteilung der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung beantragt habe. Um das alles ein klein wenig verständlicher zu machen: Die Gemeinde (in meinem Falle also die Gemeinde „Stadt Zürich“) ist die Institution, die mich zuerst unter Vorbehalt als Bürger aufnimmt. Die Gemeinde „Stadt Zürich“ ist eine von vielen Gemeinden, die zusammen den „Kanton Zürich“ bilden (in etwa vergleichbar mit den „Bundesländern“ in Deutschland). Ein Kanton ist genau genommen ein Staat, der Verbund aller Kantone bildet die Schweiz. Daher beantragt der „Staat“ Zürich beim Verbund aller „Staaten“ der Schweiz meine Einbürgerung, wenn also nach der Gemeinde „Stadt Zürich“ mich auch der Kanton („Staat“) Zürich unter Vorbehalt eingebürgert hat, beantragt der Kanton Zürich meine Einbürgerung als Bürger der Schweiz, als Bürger des Staatenverbundes mit Namen Schweiz. Der jeweilige Kanton (also in meinem Falle „Zürich“) trägt die Hauptlast des gesamten Vorganges, da er als „Staat im Staate“ gewisse „Autonomien“ inne hat, die aber wiederum gesetzlichen Regelungen des Kantonsverbundes unterliegen. Demzufolge überprüft der Kanton bestimmte Dinge, die mich, meinen Werdegang und meine Vergangenheit betreffen, nicht aber der Verbund aller Kantone (die „Schweizerische Eidgenossenschaft“). Anders ausgedrückt: Nachdem mich die Sachbearbeiterin, die mit mir jenes Einbürgerungsgespräch geführt hatte, mich dem Stadtrat von Zürich (der „Regierung“ der Gemeinde Zürich) zur Einbürgerung empfohlen hatte, bürgerte mich diese Regierung unter Vorbehalt ein und empfahl mich ihrerseits wiederum dem Kanton („Staat“) Zürich zur Einbürgerung. Dieser bürgerte mich – erneut unter Vorbehalt – ein und empfahl mich seinerseits dem Staatenverbund „Schweiz“ zur Einbürgerung. Auf in etwa diese Grundaussage lässt sich das Schreiben reduzieren, welches ich da in meinen Händen hielt.

Mein Wunsch nach Einbürgerung hatte eine weitere Hürde überwunden, vielleicht die Hürde, die als die grösste in dem gesamten Prozess anzusehen ist. Ich war auch ein klein wenig erleichtert, dass ich nun auch – erneut unter Vorbehalt – Bürger des „Staates Zürich“ war, trotzdem wurde mir ein klein wenig schwindlig als ich zu begreifen begann, wie viele unterschiedliche – ja, wie soll ich das bloss halbwegs angemessen nennen – politische, juristische und gesellschaftliche „Definitionen“ meiner selbst ich inzwischen inne hatte. Im direkten Vergleich zu Deutschland existierten nun drei auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelte Definitionen von mir selbst. In Bezug auf Deutschland war es lediglich eine: Bürger von Deutschland. Da ich keinen Wohnsitz in einer Gemeinde und einem übergeordneten Bundesland aufweisen kann, reduziert sich meine derzeitige deutsche Identität auf „Bürger von Deutschland“. Zu dem Zeitpunkt, als ich dieses Schreiben in meinen Händen hielt, war ich in Bezug auf die Schweiz bereits – unter Vorbehalt – Bürger der Gemeinde „Stadt Zürich“ und des Staates „Kanton Zürich“. Und eben jener Staat „Kanton Zürich“ empfahl mich dem Staat „Schweiz“ zur Erteilung einer dritten Definition gesellschaftlicher, politischer und juristischer Art meiner Person. Natürlich kann man solche Schreiben einfach zur Kenntnis nehmen und dann bei Seite legen, aber das entspricht nicht meinem Naturell, so bin ich einfach nicht gestrickt. Ich finde das zuweilen noch höchst interessant und spannend, welche „Veränderungen“ in so einem Prozess statt finden! Ich bin kein Jurist und ich habe nicht die geringste Ahnung, was für einen Aufwand so eine Einbürgerung bei zuständigen Ämtern hervor ruft und ganz ehrlich: Ich bin auch nicht neugierig darauf, das genauer zu erkunden! Es ist für mich schon gewöhnungsbedürftig genug, wie mir als zu diesem Zeitpunkt noch unter Vorbehalt eingebürgerter in der Schweiz lebender Deutscher Schritt für Schritt eine neue (und nichts anderes ist es)

Identität

verliehen wurde! Ich mache mir um sowas noch sehr viele Gedanken…