10.10.2018

In der Schweiz ist es üblich, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt die Namen derer veröffentlicht werden, die sich einbürgern lassen wollen, genauer: Die bereits nach einem bestimmten Prozedere unter Vorbehalt als Bürger aufgenommen wurden. Ich hatte mein Einbürgerungsgespräch bereits hinter mir und wurde dem Stadtrat von Zürich zur Einbürgerung empfohlen. Ich wurde darauf hin gewiesen, dass sich ein entsprechender Entscheid vielleicht etwas hin ziehen könnte, es standen Schulferien bevor, in welchen der Stadtrat keine Sitzungen abhalten würde, umso erstaunter war ich, dass in der Kürze der Zeit zwischen Gespräch und Beginn der Ferien der Beschluss am 10.10.2018 dennoch gefasst worden war und so fand ich meinen Namen auf einer Webseite der Stadt Zürich wieder – neben zahlreichen anderen aus allen erdenklichen Ländern dieser Welt. Diese Seite ist leider nicht mehr online verfügbar, sie wird wohl in regelmässigen Abständen geleert und aktualisiert, aber das angefügte Bild zeigt einen „Screenshot“ im Auszug dieser Seite.

Seit meinem eigenen Einbürgerungsgespräch hatte ich jene Seite immer mal wieder abgefragt, um den aktuellen Stand zu ermitteln, umso grösser war meine Freude, als ich mich in jener Liste wieder fand. Vor einigen Jahren wurden solche Listen noch im „Tagblatt der Stadt Zürich“ (eine Art Amtsblatt) abgedruckt, jetzt gibt es sie nur noch in dieser Form, man wird nicht benachrichtigt, ob und wann der eigene Name veröffentlicht wurde. Hauptsächlich besteht der Sinn solcher Veröffentlichungen darin, Bürger zu informieren und ihnen gegebenenfalls die Möglichkeit des Einspruches gegen einen entsprechenden Beschluss zu geben. Es würde mich schon interessieren, ob und wie oft im Rahmen einer solchen Veröffentlichung Einspruch gegen eine vorläufige Einbürgerung erhoben wird, noch mehr aber würde mich interessieren, was das für Menschen sind, die mit ihrem Einspruch einen Einbürgerungsprozess zumindest zeitweise zum Erliegen bringen. Gegen meine „Bewerbung“ erhob niemand Einspruch, vielleicht hatte einfach auch niemand diese Seite gelesen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Bei dem Gedanken, dass in anderen Gemeinden dieser Prozess der Akzeptanz oder Ablehnung ganz andere, sehr viel direktere Wege gehen kann, wurde ich nachdenklich, denn auch in diesem Punkt unterscheidet sich die Stadt Zürich von einigen anderen Gemeinden, für meine Begriffswelt ist es hier angenehmer als Bewerber um eine Einbürgerung auf diese Art und Weise behandelt zu werden. In dem gesamten Prozess muss man schon relativ viel offenbaren, von sich selbst preisgeben (auch wenn „der Durchschnittsbürger“ von solchen Offenbarungen an sich wenig bis nichts mitbekommt, solche Dinge bleiben bei den zuständigen Stellen), da ist diese Form der Anonymität, wenn man die namentliche Nennung auf einer Amtsseite überhaupt so nennen kann, doch etwas „freundlicher“.

Mit der Veröffentlichung meines Namens war gleichzeitig der teuerste Teil des Einbürgerungsprozesses über die Bühne gegangen. Die Stadt Zürich (genauer: Gemeinde Stadt Zürich) verlangt für diesen Vorgang 1.200 Franken (knapp 1060 Euro, Stand: Januar 2019). Wohlgemerkt: Dieser Betrag wird nicht zurück erstattet, wenn man nicht in den Genuss der Schweizer Staatsbürgerschaft kommt. Wird er nicht fristgerecht gezahlt, ist der Einbürgerungsprozess automatisch beendet und alles muss – bei Bedarf – neu beantragt werden. Auch ist dieser Betrag keine Garantie darauf, dass man auch tatsächlich eingebürgert wird. Ähnlich verhält es sich mit den Beträgen, die für die Arbeiten des jeweiligen Kantons und des Bundes zusätzlich anfallen, auch diese müssen fristgerecht bezahlt werden. Wird aus was für einem Grund auch immer die Einbürgerung von Seiten des Kantons oder des Bundes abgelehnt, werden auch diese zusätzlichen Kosten nicht zurück erstattet. Das sollte man bei alledem einfach im Hinterkopf haben. Ich habe nicht selten die Anmerkung vernommen, dass sich in der Schweiz vieles um Geld dreht, warum sollte es hier also anders sein? Allerdings gibt es zuweilen grosse Unterschiede über die Höhe des Betrages, insbesondere, wenn es um den Einbürgerungsprozess auf Gemeindeebene geht. Der Bund hat sich zwar bemüht, weitestgehend einheitliche Regelungen vorzugeben, aber hier und da sind zuweilen reichlich fragwürdige Eigenregelungen in Kraft. Ein kleines Beispiel – ich betone, dass ich nicht mit Sicherheit behaupten kann, dass das nachfolgend beschriebene Beispiel wirklich authentisch ist, wundern würde es mich aber absolut nicht: Irgendwo im Tessin soll es eine Gemeinde geben, in der grundsätzlich die Regelungen des Bundes umgesetzt werden und zumindest ein Einbürgerungsprozess ähnlich wie in der Stadt Zürich abgehandelt wird, dementsprechend die Verwaltungskosten in etwa vergleichbar sind. Will aber die- oder derjenige eine gesteigerte Aussicht auf erfolgreiche Einbürgerung haben, so muss sie oder er mit erheblichen Zusatzkosten rechnen. Diese Gemeinde veranstaltet anlässlich der möglichen Einbürgerung ein Fest und lädt dazu Gäste ein. Wohlgemerkt: Die Gemeinde, nicht der Antragsteller. Oftmals sind es viele Gäste, auch ist der Rahmen, die Ausgestaltung jenes Festes wohl nicht gerade „zurückhaltend“ oder gar „Schweizerisch diskret“. Zu zahlen hat das alles der Antragsteller – zusätzlich zu den Verwaltungskosten. Man bezahlt also eine Party, zu der aus der Sicht des Antragstellers lauter „ungeladene“ Gäste kommen, die aber allesamt mehr oder minder mit darüber entscheiden, ob diese Gemeinde einen neuen Bürger bekommt oder nicht. Wie gesagt, ob das wirklich so ist, kann ich nicht bestätigen, aber ich bestätige allemal, dass der Einbürgerungsprozess an sich in Zürich zwar nicht der „billigste“, aber allemal der verträglichste sein dürfte…

Ich überflog in den folgenden Tagen diese Liste ein paar Mal, las mir Namen und Herkunftsländer durch. Eine recht bunte Mischung! Und mitten drin mein Name, mein Geburtsjahr und mein Herkunftsland: Einer von vielen Deutschen, die den Antrag gestellt hatten:

Stadtratsbeschluss vom 3.10.2018